Amsterdam ruft uns. Mehr Brücken als Venedig. Publikumsmagnet – vor allem wegen – naja ihr wisst schon… 😉 … „dem Ruf der Freiheit“.
Kaum angekommen und auf der Suche nach der Abfahrtshaltestelle in die Stadt führt mich meine Schokoladennase direkt vor den Leonidas am Flughafen *freu* – die ersten Pralinen werden gekauft zum Test, ob sie’s immer noch sind – sind sie.
Chillig fahren wir mit dem 397 Bus in die Stadt und freuen uns dass unser niedliches kleines Hotel zentrumsnah an der Leidseplein direkt an der Gracht liegt. Noch sind die Zimmer nicht bereit und wir ziehen ohne Gepäck los und erkunden erfreut die nähere Gegend. Dabei lernen wir die unterschiedlichen Fahrbahnbeläge kennen – die roten müssen wir meiden (Fahrrad) die hellgrauen (Auto) – Pflastersteine (Fußgänger – oder gemischt). Überraschend oft sehen wir hier Pflastersteine statt Asphalt in allen Varianten – alleine das trägt zum Charme Amsterdams bei. Überall wachsen Bäume und durchziehen gemeinsam mit den Kanälen die Straßen, geschmückt von Brücken, Blumen, tausenden Fahrrädern – und Menschen. Die Läden sind knuffig, modern und einladend wie kleine Wohnzimmer gestaltet – zum entdecken, erschnüffeln, erschmecken neuer Welten.
Nachdem wir zwei Tafeln Schokolade mit Salz um 19 EUR erstanden haben spannen wir im Zimmer aus und ziehen am Abend Richtung de Pijp los – ein Hippies Stadtviertel mit Restaurants. Wir suchen uns „da Waaghals“ aus – rein vegetarisch und der absolute Knüller – den Koch nehmen wir mit – selten so grandios gegessen. Uns Feinschmeckern leuchten die Augen von dem Highlight-Einstand. Wir stehen auf einer kitschigen Brücke und fotografieren eine kitschige Villa vor kitschigen Blumen als wir „unser Boot“ entdecken – mit dem wollen wir mitfahren – klein und fein mit verschiedenen Getränken an Bord und einigen Brasilianern. Wir steigen ein und die jungen Jungunternehmer (gerade mal 1 Monat ist die Firma mit dem Boot alt) gestalten die gemütliche Fahrt informativ und urchillig. Ach… wir haben uns verliebt. Als wir zu Fuß nach Hause gehen entdecken wir noch so manches, dass wir noch genauer anschauen möchten. Zum finalen Abschluss kaufen wir dann noch einen Space Brownie – Version light – schmeckt wie Tante Paulas Gewürzkuchen (also lecker) aber wir spüren nix – auch nicht beim Schlafen.
Gepackt von der Wanderlust leihen wir uns am Dienstag gleich Räder aus und fahren durch den Vondelpark zum Anne-Franck Haus. Dazwischen gehen wir den geschlossenen Markt besuchen und bewundern dafür die riesige Fahrradtiefgarage – das haben wir noch nie gesehen! Bei Anne können wir nicht vorbeischauen – die nächste Buchbare Führung ist Ende August! Weiter geht’s zur Beuresplein wo wir uns fragen, wo wir die Fahrräder abstellen können – wir sehen nirgends welche. Endlich entdecken wir ein Schild – runter zur Fahrradtiefgarage – mit Doppelstockablage und Personal und Markierungsband – cool! Nach einem stärkenden Cappuccino neben der Börse (Jürgen reitet auf dem Bullen) schauen wir uns die Ausstellung Körperwelten an die hier gerade weilt. Beeindruckt und gegruselt entdecken wir anschließen die „Nieuwe Kerk“ und den ziemlich verranzten Königspalast – den hab ich mir von außen anders vorgestellt.. der sollte mal geputzt werden. Wieder auf den Rädern schlängeln wir uns an der „Condomerie“ vorbei zur „oude Keerk“ und sind im Rotlichtviertel – das aber noch schläft. Mittags speisen wir bei der „Vegan Junk Food Bar“ Burger mit Pommes. Am späteren Nachmittag zieht es uns dann zum Baden hinaus – aber wo kann man baden – schwierig. Es gibt zwar viel Wasser aber wir haben noch kaum Einstiegsstellen gesehen. Es ist die heißeste Woche überhaupt – bis zu 37 Grad hatten die hier oben noch NIE! Wir fahren Richtung „Markenmeer“ – da soll’s was geben lt. Reiseführer. Verwöhnt durch unsere E-Bikes kommen wir hier nur mit 15 km/h voran und die 11 km ziehen sich in die Länge … gefühlt brauchen wir 3 Std. Wir kommen an modernen Häusern, Hausbooten, neuen Stadtvierteln (Ijburg) und umgebauten Lagerhäusern vorbei bis wir endlich das Bad erblicken. Und es macht uns gar nicht an weiter zu radeln, so geben wir uns die Eistee-Spritze am Yachthafen und sind ganz unter Einheimischen (so kommt’s uns vor). Zurück begegnen uns unzählbare Kaninchen oder Hasen die einen ideale Umgebung zur Vermehrung ihrer Sippe gefunden haben. Dazu brummen riesige Frachtkähne auf dem Amsterdam Rijnkanal bis wir in Zeebrugg unsere erste Windmühle erblicken. Wir lassen den Abend im Irish Pub am Casino ausklingen und schauen noch stundenlang den Reisenden zu.
Schwierig ein Motorrad zu leihen also wird es ein Roller. Nachdem das 125er Modell nicht verfügbar ist nehmen wir halt das 50erle, das uns nach wenigen Minuten mit der maximal Geschwindigkeit von 30 km/h überrascht – Vollgas! Dafür gibts zwei Vorteile – wir dürfen außerhalb Amsterdams auf den Radwegen fahren – sogar ohne Helm. Der nette Holländer warnt uns nicht durch die Tunnel zu fahren – 100 EUR Strafe – sagt uns aber auch nicht wie wir den Kanal überqueren können. Bis dato dachte ich es gibt Brücken – Fehlanzeige. Durch Zufall sehen wir rechterhand eine Fähre näherkommen – mit Fahrrädern und Rollern – ach ja… so geht das hier. Schnurstracks setzen wir mit dem „Bootbus“ – ist nämlich im normalen Ticket inkludiert – über und sind schon fast in einer anderen Welt. Gemütlich rauschen wir durch’s alte Holland und kommen so auf dem Fahrradweg an einem Naturreservat vorbei wo man sogar schwimmen kann! Perfekte Pause – das Wasser hat allerdings max. 18 Grad und Jürgen ziert sich extrem neben den kleinen Knirpsen die mit ihren Mamas plantschend und jubelnd den Sommer genießen. Ich sammle Federn von Enten und Gänsen, die es bei uns überhaupt nicht gibt. Unsere Runde führt uns nach Zange Schaans (Prospekt im Hotel gefunden) – wo es die ursprünglichen Windmühlen inkl. Schaumuseum (frei zugänglich) gibt. Bevor wir aber ankommen verfahren wir uns in das knuffigste Eck – hier will ich wohnen – sofort. Wir kommen uns vor wie in einem Märchenfilm, wo gleich ein Hobbit aus dem Häuschen kommt und uns zum Essen einladet. 3 Min. später sind wir bei den Windmühlen und sind angekommen in dem Holland unserer Vorstellung. Vorab muss ich gleich ein Foto von dem dutzend Chinesen machen, die sich brav in Sonntagskleidung für die Fotosession bereit machen. Wir kaufen Käse von Henri Willig (später sehen wir eine Farm dazu) und Waffeln (die köstlichsten die wir je gegessen haben) und Apfeltasche und ziehen weiter querfeldein Richtung Edam. Und ganz zufällig dürfen wir tatsächlich so eine riiiiesssig laaaaange Allee entlangfahren, neben einem Kanal mit rechts und links megasüßen Farmhäusern jedes etwas anders gestaltet, alle einladend und puren Frieden ausstrahlend. Es wird wieder heiß und da die Jungs auf dem Motorboot im Kanal einen Reifen mit kreischenden Kollegen hinterherziehen suchen wir eine Einstiegsstelle und kühlen uns ein weiteres mal ab. Kurz darauf erreichen wir EDAM, das gar nicht auf unserem Plan stand. Nochmals so ne Überraschung – das gibt’s gar nicht. Knuffig Nr. xxx Wir bestellen Kaffee und eine Edamer Käseplatte mit Brot, kommen zur Ruhe und filmen wie ein Boot die geöffnete Zugbrücke passiert. Nach dem wir Volendam erkundet haben fahren wir nun doch erschöpft Richtung Schlafplatz. Auf Google Maps sehe ich auf dem Weg ein Restaurant … ob das was ist? Natürlich, die Holländer haben’s drauf. Wir genießen ein hochwertiges Abendessen kitschiger Atmosphäre – so ein Wohnzimmer will ich haben (hyggelig) … und landen erschöpft gegen 22 Uhr in unserer Straße. Schlafen können wir trotzdem nicht, es ist heiß und alle sind auf der Straße, zudem es immer noch recht hell ist! Norden halt. Wir schlendern durch die mit Marihuana Rauch geschwängerten Straßen und am Rembrandtplatz Chillen wir in friedlicher Harmonie mit den scheints so glücklichen Mitmenschen. Nach wie vor zieht es uns nicht in einen Coffeeshop… wir können uns einfach nicht überwinden in den Gestank reinzugehen.
Donnerstag frühstücken wir fürstlich im Cafe de Jaren direkt am Wasser, durchqueren vorher noch den Blumenmarkt und genießen die tanzenden Häuser (die Stützpfähle drunter lassen nach). Was tun, wenn’s so heiß ist? Shoppen. Ich hab einen Schuh gesehen – der mir auf Anhieb gefallen hat -> im Nachhinein hab ich zwei paar erstanden – total Unique – ich kauf im einzigen Store Europas von John Fluevog meine ersten Designerschuhe, ja ich glaub so kann man’s sagen um den Preis. Jürgen ist schockiert und braucht noch zwei Stunden um das zu verdauen *lol*. Mit der liebgewordenen modernen Tram (da sitzt immer jemand direkt beim Eingang am Servicedesk und dirigiert die Leute nach vorne, damit man da wieder aussteigt – mit System!) geht es zur Centraalstation und von da zum Maritimen Museum. Die „East India trading company“ kommt ja immer wieder mal vor – die Holländer haben’s drauf – fast. Sie haben New Amsterdam für einen Appel und Ei billig verkauft um eine Muskatinsel zu erwerben … Managementfehler. Das Museum ist echt der Knüller. 3 Stunden verbringen wir hier locker, tauchen ein in die Geschichte und staunen über die moderne Hafenanlage in der heutigen Zeit. Fix muss die WWF-Schildkröte anschließend mitheimkommen – als Andenken. Gegenüber liegt das NEMO das aussieht wie der Bug eines gewaltigen Schiffes – nur eines der architektonischen Highlights hier. In der größten Hitze fahren wir mit dem Lift rauf und genießen einen Mojito auf der Rooftop-Bar, nebst im Wasserlauf planschenden und kreischenden Kindern. Den Weg rüber, über das Chinesische Restaurant bis zur Tram-Station schaffen wir gerade noch – kurz vor dem Hitzekollaps retten wir uns um Abschied zu nehmen von dieser tollen Stadt. Ihr Rhythmus ist chillig, auf subtile Weise mondän, modern, die Menschen offen und sehr freundlich.
Wir kommen wieder – fix. Die Holländer haben’s drauf. Denken wir uns auch noch eine Woche später als wir die letzte Leonidas Praline genüsslich im Mund zerfließen lassen.








































































































































































































































































































































