Wenn die Erde bebt

Hallo zusammen! Uns geht es gut hier in Rom, alles ist okay. Trotzdem will ich euch schildern, wie ich diese Erdbeben-Nacht erlebt habe.

2:30 Uhr – ich wache auf, wieder einmal, wahrscheinlich weil das Nachmittagsschläfchen bis 5 Nachmittags doch zu lange war. Aber das bin ich gewohnt und stecke mir Stöpsel ins Ohr und höre ein Hörbuch. Um 3:30 geh ich wieder ins Bett, immer noch mit Stöpsel im Ohr, aber diesmal leiser gedreht, damit ich einschlafen kann.

3:38 Uhr – (1. Stoß 6,2 M) ich denke, was ist denn da so laut – was macht denn der Jürgen da? Büttelt er die Decke aus – voll laut?? Aber wir haben ja nur eine Decke und ich bin zugedeckt??? Mir dämmert, dass er das nicht sein kann, zieh die Stöpsel im Halbschlaf raus, höre und erschrecke bis ins Mark und Bein – ein Erdbeben. Alles wackelt, im Kasten klopfen die Regalwände aneinander, das stabile Bett stößt an die Wand – das ist der Lärm von dem ich dachte Jürgen produziert ihn. Aber der liegt neben mir, inzwischen auch wach. Als ich laut mit angsterfüllter Stimme sage – „Ein Erdbeben, Schatz, das ist ein Erdbeben“  kommt er voll zu sich und sagt „ja, aber das gibt’s wahrscheinlich öfters hier“….

und schon ist es auch vorbei – das ganze hat grad mal 10 Sekunden hier in Rom gedauert. Ein grausiges Gefühl. Ich stehe auf, mit wild pochendem Herzen und geh auf den Balkon im 3. Stock unseres 5-Stöckigen Hauses – mal schauen, ob die Menschen auf die Straße rennen – zur Vorsicht, vielleicht war es ja nur ein Vorbeben? Was, wenn alles zusammenstürzt, die Häuser haben auch schon 60 Jahre auf dem Buckel…? Ich weiß nicht, was ich tun soll… Jürgen sitzt derweil auf dem Clo… okay, die Wasserleitungen gehen also noch. Wir beraten uns und er sagt, wenn’s nochmal wackelt, gehen wir raus. „Mal schaun, ob sie morgen überhaupt darüber berichten…“. Ich bin wie angespannt, man ist ja mittendrin, man weiß nicht wo das Epizentrum ist, ob sie darüber überhaupt berichten? Ist ja normal für die Italiener hier. Naja. Jürgen geht wieder schlafen, ich versuche das auch. Aber es geht nicht. 1 Minuten später sitz ich am Laptop und google um etwas herauszufinden. Den ersten Hinweis finde ich im „Ilmessagerio.it“ – dann auf RAI.it.

3:59 Uhr – ich schreibe den Kindern von diesem unheimlichen Erlebnis – hatte ich bisher nur einmal und auch nicht so lange.

4:30 Uhr – (2. Stoß 5,5M) ich sitze am Tisch und mir wird wieder schwindelig, oh nein, es wackelt schon wieder. Der Kasten fängt wieder zu klopfen an, aber diesmal bin ich vorbereitet. Ich weiß, dass wir das ganze nur als Ausläufer mitbekommen – und das hat es schon in sich. Ich gehe zu Jürgen wecke ihn auf und sage „es wackelt schon wieder“ – dann ist der Spuk wieder vorbei. Er pennt weiter – den Schlaf der Seligen. Während mir wieder das Herz bis zum Hals pocht. Und die Bild.de ist auch schon informiert. Hier kann ich auf Deutsch lesen.

4:40 Uhr schalte ich den Fernseher ein – tatsächlich es wird darüber berichtet! Also doch nicht „.. gibt’s öfter hier…“!!! Nun bedeutet es übersetzen, versteh ja nicht so viel… Und ja … den Rest der Geschichte kennt ihr leider aus den Medien. Schrecklich. Ich leide mit den Opfern. Noch weiß man gar nichts. Gerade meldet sich der Bürgermeister im Fernsehen von dem Ort Amatrice, „Das halbe Dorf gibt es nicht mehr“ sagt er. Ich höre Hubschrauber die direkt über uns in Richtung Nord-Osten fliegen, ich nehme an, die Zivilschutzhilfe.

6:09 Uhr – wieder ein Nachbeben, aber es klappert nichts mehr, nur ich spüre es, mir wird schwindelig, schwankend und schon ist es vorbei.

9:24 Uhr – wir schreiben den Blog um euch zu informieren und schauen wieder Nachrichten. Ja, Amatrice hat’s voll erwischt. Draußen rattert die Straßenbahn.

Wir trauern über die Opfer und trauern mit denen, die ihre Verwandten und Freunde verloren haben oder ihr Hab und Gut. 

 

 

PS: Solltet ihr mal in so einer Situation stecken… hier ein Link, wo schnell veröffentlich ist, wo welches Beben weltweit stattfindet, so weiß man wo das Epizentrum ist…  http://earthquake.usgs.gov/earthquakes/map/