17.02.2016 12:54 und die folgenden 56 Stunden

Sabine muss ins Krankenhaus!

 

Okay Leute, das war wirklich nicht lustig! Dank Gottes Hilfe, der mir meine zwei Lebensretter Mick und Meldrid in den Weg gestellt hat, habe ich überlebt!

aber nun von vorne:

Wir haben am Mittwoch zwei Tauchgänge gemacht mit dem Typ, bei dem wir die Tauchsafari machen wollten – Bernd. Bereits am Dienstag hatten wir einen ersten Tauchgang, wo auch alles gut gelaufen ist. Ich habe wohl zu wenig getrunken 1 l am Morgen und in der Pause nochmal 1 l. Nach dem zweiten Tauchgang bin ich wieder als vorletzte aus dem Wasser gekommen und mir wurde unmittelbar danach schwindelig, so dass ich mich hingesetzt habe. (12:54) Beim Sitzen hatte ich dann eine Bewußtseinstrübung, so dass die Welt um mich herum für ca. 5 sec. verschwand. Jürgen hat mich angesprochen „Sabine, hörsch du mi?“, hat dann gecheckt, dass es ernst ist und mich flach hingelegt und die Füsse hochgelagert. Der Guide hat mich zweimal auf Seekrankheit angesprochen – aber das war es nicht. So bin ich ohne Sauerstoff dagelegen (das war der erste Fehler). Offensichtlich hat keiner die Situation richtig eingeschätz, auch ich nicht, weil ich dachte, mein Blutzucker ist jetzt einfach runter und ich muss essen. Im nachhinein weiß ich jetzt, dass sich aber auch das anders anfühlt. Da im Dinghi nicht alle Platz haben, wurden zuerst die anderen vier Mittaucher an Land gebracht. (das war der zweite Fehler). Ca. 45 Min. nach auftauchen sind wir mit dem Ruderdhingi an Land gebracht worden. Dort habe ich zu meiner Kraftlosigkeit und Unwohlsein starkes Kribbeln an den Händen und Füßen gespürt und auch sofort DCS = Decompressionsickness also die Taucherkrankheit vermutet. Keiner von der vorigen Gruppe ist zurückgekommen um nach mir zu schauen, nach weiteren 10 Minuten habe ich mich mit Jürgens Hilfe die 68 Stufen hinaufgeschleppt und war auf Tauchbasisebene. Bernd hat uns vom Restaurant aus gesehen, ist dann entgegengekommen und hat mich gemeinsam mit Jürgen zum BlustarDive Center gebracht, wo mir dann Sauerstoff verabreicht wurde. Bernd meinte, jetzt schauen wir mal wie es ihr in einer Stunde geht, sonst müssen wir die Ambulanz halt holen. Kurz darauf ist Jürgen ins Zimmer gegangen um ein paar Utensilien zu holen, falls es zum Ernstfall kommt. Bernd ist ebenfalls 1 Minute später zum Essen verschwunden und ich war musalloa in der Basis und hab langsam Panik bekommen. (14:15) Dann kam 5 Min. später mein Lebensretter Mick Chapman rein – der Leiter der örtlichen Tauchbasis. Er hat mich sofort gefragt, was passiert ist, hat mir aufgeholfen und den 5 Min. Neurocheck gemacht (Arm und Händedruck, stehen auf einem Bein, mit den Augen den Fingern folgen, Name Geburtsort abfragen etc.) danach sagte er mir „okay, Sabine, I will not lie to you, I think you have DCS, but the mild one. We need to get you to a doctor as soon as possible.“ ab diesem Zeitpunkt wußte ich mich in kompetenten Händen. Er legte mich hin, ist dann zur Rezeption gerannt, hat Alarm geschlagen und Mildred, seine Freundin und Mitarbeiterin des Hotels hat schnell seinen Geldbeutel geholt und das Taxi zum nächsten Minikrankenhaus organisiert. Nach meinem Gefühl war er sofort wieder da und hat mir die Treppen hochgeholfen, immer noch am Oxygen dran.

Am Pool ist dann Jürgen mit meinen gepackten Sachen zu uns gestoßen und wir konnten uns direkt ins Taxi setzen. Der Typ ist so gerast, dass fast 5 Menschen verletzt werden konnten! Dann kurz vor dem 1. Hospital ging die Flasche leer. Das Kribbeln wurde unmittelbar stärker und ich bekam einen Schüttelfrost. Neben mir lag noch einer, der gerade an einer offenen Wunde operiert wurde und ich dachte, „sch… jetzt sterb ich hier“.

Mildred hat dann einen Krankenwagen organisiert, während Mick den Doc gepuscht hat, dass ich so schnell wie möglich in die Dekokammer muss. Dieser war natürlich überfordert und hat mich an das größere Bezirksspital in Bohol, nach Tagbilaran überstellen lassen. Also, weiter… von dieser Fahrt ist das Video, das Jürgen reingestellt hat!

In Tagbilaran (17:30) stieß Mick wieder auf taube Ohren, da die Ärzte sich nicht mit DCS auskennen und mich zur Beobachtung hier behalten wollten. Er versuchte gleichzeitig mit Mildred und dem Krankenhauspersonal vor Ort einen Helikopter zu organisieren um mich nach CebuCity fliegen zu lassen. Leider konnten wir keinen kriegen (falsche Tel. Nr. etc.). Mildred hat schnell geschalten, ist dann raus auf die Straße, hat einen Motorradfahrer angehalten, ihm gesagt,dass es sich um einen Medizinischen Notfall ihrer Tante handelt, und sie so schnell wie möglich zur Fähre muss, da diese um 18:30 ablegt. 1 Min. vor ablegen, konnte Meldrid die Fähre aufhalten, nachdem sie sich durch Schalterpersonal, Stegboys und Kapitän durchgeschlagen hatte.

Ich hatte furchtbare Angst, dass ich nicht mehr diesen Tag nach CebuCity kam, war aber trotzdem innerlich ruhig, da ich Gott vertraute, dass er keine Fehler macht. Nur hasse ich Schmerzen und ich hatte Angst, dass es schlimmer wird und ich leiden muss… ihr wisst ja, was für eine Memme ich bin! Im nachhinein hat mir der Doktor gesagt, dass keine Lebensgefahr bestanden hat. Zum Glück. Aber das weiß man halt in dem Moment nicht.

Auf jeden Fall wurde ich wieder mit Ambulanz und einem persönlichen Krankenpfleger mit der Fähre nach Cebu City geschickt. Die Überfahrt ist gut gegangen, obwohl ich schon ein bisschen Sorge hatte, ob die Ersatz Sauerstoffflasche schon eine volle ist… war sie aber 🙂

In Cebu City (Ca. 20:30) ging es zum besten, aber falschen Krankenhaus. Die wollten mich gleich wieder da behalten, allerdings durch Micks psychologische Intervention wurde ich 15 min. später endlich in das Cebu Doctors University Hospital eingeliefert. Das war um Ca. 22:00. Auch hier wieder Routine Untersuchungen… Dann ging es endlich (ihr wisst schon, Mick…) In die Hydrobarical Chamber es war nun 0:12.

Ich muss sagen, ich habe mich gut aufgehoben gewusst, obwohl ich hier auf den Philippinen bin. Die Schwestern, Doktoren , die Untersuchungen, das alles lief wie bei uns ab. Immer frische Utensilien wurden geöffnet, selbst beim Fieber messen, gab es eine Einmalplastikhülle. Ich habe dann, nachdem ich im „ward“ war (durch Vorhänge getrenntes Großraumzimmer… Was ich zuerst nicht gecheckt hatte) ein eigenes Zimmer gemietet. Wir konnten aussuchen welche Preisklasse wir wollen, von ward 900 peso bis Mega VIP 18000 peso, lustig, wie im Hotel.

Habe auch strikt vegetarisches Essen für Ausländer bekommen… Siehe Foto.  Hatte dann Donnerstag und Freitag jeweils eine Dekobehandlung und wurde Freitag Abend entlassen. Wir haben uns in ein nettes kleines Hotel, 5 min. zu Fuß, entfernt eingemietet.

Jürgen ist in dieser Zeit wirklich gefordert gewesen um das ganze Rundherum zu organisieren. Wir hatten ja so gut wie keine Kleidung dabei, so musste er Unterwäsche und T-Shirt besorgen, mit der Versicherung reden, Unmengen an Geld vom Bankomat holen um die Rechnungen zu bezahlen (manch ein Arzt will Bares) etc. Er ist dann mit der Fähre wieder zurück nach Bohol um den Checkout zu machen und unsere Sachen zu holen. Und 56 Stunden nach meinem Blackout waren wir dann gemeinsam im Hotel neben dem Krankenhaus. Samstag und Sonntag hatten wir frei. Montag hatte ich die letzte Behandlung und Dienstag noch eine Kontrolle, jetzt bin ich offiziell entlassen. Alles Gut. Ich darf auch wieder tauchen (hab aber derzeit kein Bedarf ) und fliegen. Okay. So viel Action habe ich nicht erwartet. Und das, weil ich zu wenig getrunken und falsch getaucht habe (lt. Computer war alles im grünen Bereich ). Man lernt nie aus. Jetzt geht es weiter mit Urlaub. Liebe Grüße!

 

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Dekompressionskrankheit